Suche nach langfristiger Lösung

FUSSBALL: Nur wenige aus­län­di­sche Ver­eine bei Tagung des Fuß­ball­krei­ses dabei

Kreis Her­ford. Spiel­ab­brü­che, tät­li­che Angriffe auf Gegen­spie­ler und Schieds­rich­ter, dazu Zuschauer, die durch ihr undis­zi­pli­nier­tes Ver­hal­ten für zusätz­li­che Pro­vo­ka­tio­nen sorg­ten – die Spruch­kam­mer des Fuß­ball­krei­ses Her­ford hatte in den letz­ten Mona­ten deut­lich mehr uner­freu­li­che Vor­fälle bei Spie­len mit Betei­li­gung aus­län­di­scher Ver­eine zu ver­han­deln als ihr lieb war.

Foto: Björn Kenter

Foto: Björn Kenter

Um die­ser Ent­wick­lung ent­ge­gen zu wir­ken, hatte Gün­ter Temme, Vor­sit­zen­der des Fuß­ball­krei­ses, diese Ver­eine zu einer Sit­zung mit Ver­tre­tern des Kreis-Vorstands, der Kreis-Spruchkammer, des Kreis-Schiedsrichterausschusses und des Kreis­sport­bun­des in das Jugend­heim Sun­dern ein­ge­la­den. Aller­dings waren mit dem FC Her­ford und dem SV Türksport Bünde, des­sen Trai­ner Cevat Kara­ton die beruf­lich ver­hin­der­ten Vor­stands­mit­glie­der ver­trat, sich jedoch an der Dis­kus­sion nicht betei­ligte, nur zwei von neun ein­ge­la­de­nen Ver­ei­nen erschienen.

Wäh­rend der von Eyüp Oda­basi, dem Vor­sit­zen­den des Inte­gra­ti­ons­aus­schus­ses der Stadt Bünde, gelei­te­ten Dis­kus­sion, hat­ten die ins­ge­samt 18 Teil­neh­mer die Mög­lich­keit, Pro­bleme im Umgang mit­ein­an­der offen anzu­spre­chen, um dann gemein­sam nach Lösungs­an­sät­zen für die Misere zu suchen.

Dabei war sich die Runde weit­ge­hend einig, dass die Ursa­chen für die nega­ti­ven Ent­wick­lun­gen der letz­ten Monate vor allem in man­geln­der Ach­tung und Respekt im Umgang mit­ein­an­der sowie latent vor­han­de­nen Vor­ur­tei­len auf bei­den Sei­ten zu suchen sind.

„Vor allem die Jugend­li­chen haben im Ver­gleich zu frü­her den Respekt vor dem Schieds­rich­ter, aber auch vor den Gegen­spie­lern ver­lo­ren“, sieht Metin Albay­rak bereits im Junio­ren­be­reich Anfänge die­ser Ent­wick­lung. Der 38-jährige ist seit lan­gem als Schieds­rich­ter und als Trai­ner der F-Jugend des Bün­der SV tätig.

Axel Mowe, Staf­fel­lei­ter in den Kreis­li­gen B und C, zeigte sich ent­täuscht über die schlechte Reso­nanz der aus­län­di­schen Ver­eine und nahm auch deren Vor­stände in die Pflicht: „Die Gründe für die Eska­la­tio­nen auf dem Sport­platz lie­gen häu­fig auch im Umfeld der Ver­eine, die nicht in der Lage sind, erzie­he­risch auf ihre Spie­ler ein­zu­wir­ken“, so Mowe. Cle­mens Goeke vom Kreis-Schiedsrichter-Ausschuss kri­ti­sierte die Rolle der Zuschauer: „Es sind häu­fig Leute am Platz, die am Fuß­ball nicht inter­es­siert sind, und nur auf eine Gele­gen­heit war­ten, um zu pro­vo­zie­ren. Deren Ver­hal­ten ist durch den Ver­ein durch­aus steu­er­bar“, meinte Goeke.

Wie ein Vor­stand erfolg­reich auf seine Mit­glie­der ein­wir­ken kann, zeigt das Bei­spiel des FC Her­ford, einst Stamm­gast bei Spruch­kam­mer­ver­hand­lun­gen. „Wir haben Spie­ler, die Pro­bleme gemacht haben, aus­sor­tiert und neue Ver­hal­tens­re­geln auf­ge­stellt, um wie­der Spaß am Fuß­ball zu haben“, erläu­tert Sem­set­tin Cakar, seit einem hal­ben Jahr Vor­sit­zen­der des Ver­eins, der aus der Runde viel Lob für seine Anstren­gun­gen erhielt.

Bei der Suche nach Lösungs­an­sät­zen waren sich die Betei­lig­ten einig, dass die auf bei­den Sei­ten vor­han­de­nen Vor­ur­teile und Berüh­rungs­ängste in ers­ter Linie durch eine ver­bes­serte Kom­mu­ni­ka­tion zwi­schen den Ver­ei­nen und dem Fuß­ball­kreis abge­baut wer­den kön­nen. So sol­len in Zukunft unter ande­rem regel­mä­ßige Tref­fen auch bei Migran­ten­ver­ei­nen statt­fin­den, um Pro­bleme zu bespre­chen und die andere Seite ken­nen zu lernen.

Als wei­tere Maß­nah­men wur­den unter ande­rem Schu­lun­gen für die Ver­eins­vor­stände auf deut­scher und aus­län­di­scher Seite zur Ent­wick­lung inter­kul­tu­rel­ler Kom­pe­tenz sowie die Ent­sen­dung von neu­tra­len Beob­ach­tern zu den Spie­len vorgeschlagen.

„Wir sind gefor­dert, etwas zu tun, die Kom­mu­ni­ka­tion klappt noch nicht so, wie wir uns das vor­stel­len“, sah Gün­ter Temme nach der Ver­an­stal­tung noch eini­ges an Arbeit auf den Fuß­ball­kreis zukommen.

Ebenso wie Oda­basi war auch Temme der Ansicht, dass es keine kurz­fris­tige Lösung gibt, mit der alle Betei­lig­ten zufrie­den sein kön­nen: „Inte­gra­tion ist ein gesell­schaft­li­ches Pro­blem, da sind wir im Fuß­ball nur ein klei­ner Bau­stein“, erklärte Temme.

Allen Betei­lig­ten aus dem Her­zen sprach Peter Schä­fer, Mit­glied der Kreis­spruch­kam­mer: „Wir möch­ten uns in Zukunft nur zur Weih­nachts­feier und zur Arbeits­ta­gung tref­fen“, hofft Schä­fer dem­nächst auf weni­ger Arbeit.

»Respekt muss wie­der da sein«, Metin Albay­rak, Schieds­rich­ter und Trai­ner beim Bün­der SV.

Quelle: Neue West­fä­li­sche, Björn Kenter

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